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Törn 2014 von Lauterbach nach Gotland mit Station in Visby, Kalmar und auf den Erbseninseln Törn 2016 von Flensburg nach Göteborg mit Besuch der Insel Läsö und Sönderborg Törn 2017 von Maasholm rund Sjælland mit Stationen auf der Insel Serejø, in Helsingør, auf der Insel Ven, in Kalvehave Sogn und Marstal. Törn 2018, von Lauterbach über Hanö nach Karlskrona. Dann aber nicht nach Gdansk sonder über Christiansöe und Bornholm wieder nach Lauterbach Törn 2019 rund ums Ijsselmeer
Törn  2014 von Lauterbach nach Gotland mit Station in Visby, Kalmar und auf den Erbseninseln Törn 2016  von Flensburg nach Göteborg mit Besuch der Insel Läsö und Sönderborg Törn 2017 von Maasholm rund Sjælland mit Stationen auf der Insel Serejø, in Helsingør, auf der Insel Ven, in Kalvehave Sogn und Marstal. Törn 2018, von Lauterbach über Hanö nach Karlskrona. Dann aber nicht nach Gdansk sonder über Christiansöe und Bornholm wieder nach Lauterbach Törn 2019 rund ums Ijsselmeer

Der Plan für den Törn 2020

Als ich 2017 von dem Törn mit dem „Preußischem Adler“ wieder zu Hause war, dachte ich mir, mit dem Schiff sollte man einen echten Langstreckentörn unternehmen. Also habe ich mich an die Planung gemacht. 

Die erste Überlegung war von Maasholm nach Oslso zu segeln. Man kann das auch in einer Woche schaffen. Aber das bedeutet die Hin- und Rückreise auf einen Zug zu absolvieren und in Oslo eigentlich keine Zeit zu haben. Das hieße nur zu segeln und ganz, ganz wenig Landgang, nicht das gelbe vom Ei.

Also zwei Wochen mit mehreren Etappen.

Etappe 1, Maasholm – Kopenhagen, 160 NM, Reisezeit 32 Stunden. Ankunft 14.6. 2:00.Weiterreise 15.6. 8:00

Etappe 2, Kopenhagen – Göteborg 140 NM, Reisezeit 27 Stunden, Ankunft 16.6., 12:00. Weiterreise 17.6. 20:00

Etappe 3, Göteborg – Oslo, 160 NM, Reisezeit 32 Stunden, Ankunft 19.6., 3:00. Weiterreise 20.6. 22:00

Etappe 4, Oslo – Aalborg, 200 NM, Reisezeit 40 Stunden, Ankunft 22.6. 14:00, Weiterreise 23.6. 14:00

Etappe 5, Aalborg – Horsens, 115 NM, Reisezeit 22 Stunden, Ankunft 24.6. 14:00, Weiterreise 24.6. 23:00

Etappe 6, Horsens – Maasholm, 100 NM, Reisezeit 20 Stunden, Ankunft 25.6. 18:00

Berechnungen basieren auf einem Log von 5 Knoten.

Denkbar wäre die Rückreise auch über die Nordsee mit Station auf Helgoland, dann in die Elbemündung nach Brunsbüttel. Weiter über den Kiel Canal nach Kiel Holtenau und weiter nach Maasholm. Ist problemlos machbar.

 

Oder aber ein 14 Tagestrip nach Stockholm

Anmerkung: Rot wäre der Hinweg. Eigentlich unproblematisch, bei den vorherrschenden Winden aus westlichen Richtungen immer segelbar. Der Rückweg macht schon mehr Schwierigkeiten. Riga oder Tallin sind wegen der Länge der Strecke nicht drin. (Blau, 870 NM). Ginge noch Stockholm, Windau, Danzig (grüne Route), Länge 690 NM, 5,75 Tage. Problem 280 NM reiner Westkurs als Sahnestückchen zum Reiseende. 

Als nächstes habe ich in der Runde der Mitsegler herumgefragt ob Interesse an so einem Törn besteht. Die Reaktionen waren positiv und so habe ich mir im Frühjahr 2018 den „Preußischen Adler“ für  die 2 Wochen im Juni 2020 um die Sonnenwende herum reserviert.

Soweit so gut. Dann mußte in diesem Jahr (2019) das Schiff fest bestellt werden. Also ging im Frühjahr an alle, die sich für den geplanten 14 Tagestörn gemeldet hatten, die Frage wer den Törn mitsegelt und wo hin es gehen soll. Die Rückmeldungen waren ernüchternd. Es gab ganze vier positive Rückmeldungen und davon waren zwei mit der Einschränkung, nur eine Strecke mit zu segeln. Das war ein Schuss in den Ofen.

Da durfte ich neu planen und das ist dabei heraus gekommen:

Eine Rundreise an der dänischen Halbinsel.

Der Törn würde von Maasholm nach Aalborg gehen. Auslaufen in Maasholm am 12. Juni. Ankunft in Aalborg am Morgen des 14. Juni. Landgang in Aalborg. Da die Marina in Aalborg hinter den zwei Brücken liegt kann man zu jeder beliebigen Zeit die Marina verlassen. Die Brücken im Limfjord bestimmen mit ihren Öffnungszeiten den weiteren Ablauf des Törns. Sie öffnen im Sommer nur zwischen 5 am und 9 pm, das schränkt ein bißchen ein.

Ablegen in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages und dann durch den Limfjord in die Nordsee. Längst der dänischen Küste nach Helgoland. Helgoland wird zwei Tage später erreicht, also auch in den frühen Morgenstunden, Landgang, ablegen abends mit Nachtfahrt in die Elbemündung. Ankunft in Brunsbüttel am nächsten Morgen. Passieren Kiel Canal über Tage. Auslaufen Kiel-Holtenau am Abend. Abfahrt nach Maasholm. Ankunft irgendwann nach Mitternacht, also 19. Juni. Das wären in Summa ca. 635 sm und es wäre zeitlich anspruchsvoll.

Von Falk kam dann der Vorschlag, wenn das Wetter nicht für die Nordsee spricht, den Törn über Nordjytland zu legen. Und das sehe dann so aus:

1.Etappe – Start Freitag 18 Uhr

Ziel: Tunö über den Kleinen Belt (kleiner Zwischenstopp mit Inselrundgang 3 Stunden), Strecke ca. 100 sm,

19 Stunden,  Ankunft: Samstag 13 Uhr

2. Etappe – Start Samstag 16 Uhr
Ziel: Aalborg (Stadtrundgang 5 Stunden,  Schloss Aal-borghus, Park Kildeparken), Strecke ca. 100 sm,

19 Stunden – Ankunft: Sonntag 11 Uhr
3. Etappe – Start Sonntag 16 Uhr

Ziel: Hanstholm (Besichtigung der Festungsanlage Hanstholm) https://de.wikipedia.org/wiki/Festungsanlage_Hanstholm
Strecke ca.105 sm, 20 Stunden, Ankunft: Montag 12 Uhr

4. Etappe – Start Montag 17 Uhr
Ziel: Insel Anholt
Strecke ca. sm,  27 Stunden, Ankunft: Dienstag 20 Uhr Abends wird bei Bier und Wein geklönt. Übernachten auf der Insel! Vorm Auslaufen Inselrundgang

5.Etappe – Start Mittwoch 14 Uhr,  Ziel: Maasholm (Heimathafen), Strecke ca. 140 sm,  27 Stunden, Ankunft: Donnerstag 17 Uhr

Welche der beiden Varianten dann wirklich gesegelt wird hängt also vom Wetter ab. Lassen wir uns überraschen.

Anfang April 2020

Was jetzt passiert ist konnte bei der Planung keiner ahnen. Wir haben den Virus. Europas Grenzen sind zu. Von  der Mannschaft ist Gott sei Dank noch keiner erkrankt. Wie es weiter geht ist zum heutigen Zeitpunkt völlig ungewiß. Ich plane erst einmal weiter wie gehabt. Die Speisekarte ist fertig und so stehen die ersten Einkäufe schon in der Speisekammer. Keine Hamstereien.

 

Mit Dr. Aly, unserem Vercharterer haben wir uns verständigt. Seine Mail auf unsere Fragen ist herzerfrischend. Und so sieht die Antwortmail aus: 

Lieber Herr Guenther, lieber Herr Strobach,
 
vielen Dank fuer Ihre Nachricht - um es kurz zu machen: selbstverstaendlich bin ich damit einverstanden, dass wir jetzt alle erst einmal abwarten und dann kurz vor Ihrer Reise entscheiden, wie wir mit der dann aktuellen Lage umgehen.
 
Als Optimist gehe ich 'mal davon aus, dass die Situation sich bis Anfang Mai wieder etwas entspannt und die heute gueltigen Beschraenkungen mindestens zum Teil wieder aufgehoben sind. Dies wird umso eher dann der Fall sein, je schneller tatsaechlich harte Massnahmen raumgreifend umgesetzt werden. Aber das ist im Moment noch alles Spekulation.
 
Ich bin gestern von den Philippinen aus nach Hamburg zurueckgekommen (gerade noch, muss man wohl sagen), nachdem ich in Manila schon fast eine Woche im Homeoffice und spaeter dann unter Ausgangssperre erlebt habe. Derzeit kann ich auch noch nicht sagen, wann es fuer mich wieder dorthin zurueck geht.
 
Also ueben wir uns 'mal in entspannter Gelassenheit, nuetzt ja nix!
 
Herzliche Gruesse aus Hamburg,
 
Ihr Herbert Aly

Also üben wir uns in Gelassenheit und harren der Dinge, die da kommen.

Ende April 2020

Zu Zeiten von Corona ist man sich ja nicht sicher was als Nächstes passieren wird.

Ob wir, wie geplant, nordwärts Richtung Limfjord werden segeln können ist ungewiß. Mit der Lockerung der Reisebedingungen in Deutschland lässt sich aber spekulieren. Das hat Falk bewogen eine Alternative zu entwickeln. Und die sieht so aus.

Auslaufen in Maaasholm am 12. Juni am Nachmittag, passieren Kiel Canal am 13. Juni, weiter über die Elbe am Rand des Wattenmeeres nach Wangeroode und Nordernay. Dann über die Nordsee nach Helgoland. Von da aus zurück durch den Kiel Canal nach Maasholm. Diese Strecke ist ca. 360 NM lang. Die Passage des Kiel Canals braucht Zeit. Sollte noch etwas Zeit übrig bleiben, so läge auch ein Besuch in Hamburg im Rahmen des Möglichen. Dann würde der Törn 420 NM lang werden. Also auf den ersten Blick noch machbar.

 

Lassen wir uns also überraschen was die nächste Zeit bringt. Noch sind es 6 Wochen bis zum, hoffentlichen, Auslaufen zum Törn 2020. 

 

Ich gehe in der  Zwischenzeit weiter die nicht verderblichen Zutaten für den schon existierenden Speiseplan einkaufen. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Es wird ernst

Ende Mai, Anfang Juni beraten sich die eigentlichen Organisatoren Karsten, Falk und ich in einigen Vidiokonfe-renzen zum weiteren Vorgehen. Mit Dr. Aly sind wir uns einig, dass wir unter allen Umständen den Törn antreten und dass wir die Gelder, die noch zu zahlen sind, auch im aller letzten Moment zahlen können. 

 

Und als dann die Lockerungen der Coronaauflagen in Niedersachsen und in Schleswig-Holstein verkündet werden 

und auch Dänemark die Grenzen zum 15. Juni öffnen wird, kann die Planung konkret werden. Die langfristige Wettervorhersage kündigt uns für die fragliche Woche Ostwinde an. Das bedeutet Dänemark umrunden wäre machbar.

Und das wäre der Plan.

 

Start am Freitag, den 12. Juni so früh wie möglich. Dann sollten wir den Nord-Ostsee-Kanal so erreichen, dass wir nach dem Schleusen in der Marina Borgstedt anlegen können. So wie man am Sonnabend wieder den Kanal passieren kann, geht es los. Wir würden in Brunsbüttel am frühen Morgen schleusen und mit der ablaufenden Flut die Elbmündung passieren. 

 

Der Rest des Törns ist klar. Von Helgoland geht es nordwärts. Welche Häfen anlaufbar sind wird sich vor Ort raus stellen. Sollte die Zeit, weil der Wind nicht mitspielt, knapp werden, erspart uns die Passage des Limfjords ca. 20 Stunden.

 

Alles in Allem, machbar. Länge des Törns gute 700 sm, veranschlagte Segelzeit fünf und einen halben Tag.

 

Falk hat für den schwierigsten Teil der ganzen Strecke mit den modernen Mitteln der Routen-planung den PC einen segelbaren Kurs errechnen lassen und das Ergebnis macht Mut. 

 

Die Strecke von Helgoland ins Kattegat zur Insel Laesoe sieht doch recht gut aus.

Die Mannschaft

Elf gestandene Männer auf einem Kinderspielplatz in Omoe, aufgenommen mit Peters Drohne. Und da wären in der ersten Reihe Atomwolfgang (Wolfgang Kießling) und Torsten (Eddi) Seidel und in dem Spieleschiff von links nach rechts Frank Buchert, Mario Hahn, Sebastian Schee, Peter Heller, Karsten Strobach, Frank Bergmann, Falk Strobach, WoKi (Wolfgang Killig) und ich (Rainer Günther). Alles wohlbekannte Gesichter und bis auf Woki, Atomwolfgang und Sebastian íst das so etwas wie die Stammbesatzung vom "Preußischen Adler".

Stagsegelschoner "Preußischer Adler"

Wir segelten den "Preußischer Adler" schon 2017 und da auch nicht zum ersten Mal. Einige hatten schon früher das Vergnügen. Dank Peter hatten wir das Schiff zum erstenmal von Außenbords in voller Besegelung und unter voller Fahrt im Bild und das soll nicht vorenthalten werden. Hier auf dem Bild segeln wir am 16. Juni von Anholt nach Samsø bei leichtem Ostwind mit guten sechs Knoten. Einzelheiten weiter unten im Bericht.

Was gibt es zu Essen?

Speisekarte für den Törn vom 12.bis 19. Juni

 

Der Törn beginnt in diesem Jahr am Freitag. Der Donnerstag, der Tag an dem ich einkaufen würde, ist bei mir in Hessen Feiertag. Das macht alles ein wenig kompliziert.

 

Also wie immer gibt es morgens das ausgiebige Frühstück mit allem was die Küche und der Einkauf hergibt, tagsüber das bewährte Buffet und manchmal was zum Kaffee in Form von Kuchen oder deftig mit Würstchen. Und das gibt es Abends.

Freitag, der 12. Juni

 

Wie immer gibt es am Anreisetag Abends Suppe.

 

Es muss ja nicht immer Soljanka sein. Also gibt es diesmal Gyrossuppe. Wer auch immer die erfunden hat, mit dem türkischen Gyros hat síe nur das Gewürz gemeinsam. Aber schmecken tut sie.

Sonnabend, der 13. Juni

Das muss sein, das bewährte Huft Steak, mit Spargel und mit brauner Butter und Kartoffeln.

Auch diesmal SoudVides gegart und im Beefer mit dem letzten Schliff versehen.

 

 

 

Sonntag, der 14. Juni

 

Maccheroni al Ragù alla Bolognese al Elisa Rusconi, Signoria Rusconi hat das beste Rezept für Ragù alla Bolognese. 

 

Hier werden Rindfleisch, Schweinekamm und Panceta mit Gemüse und Tomaten passata gute 12 Stunden sanft geköchelt, einfach köstlich

Montag, der 15. Juni

Für uns hat Mario im Moritzburger Wald das Wildschwein gejagt (oder jagen lassen?). Das Ergebnis landet heute auf dem Teller.

Und wie es sich gehört mit Thüringer Klösen und Rotkraut. Es hätten auch die Sächsischen sein können, aber ich kenne (fast) alle Kartoffelklöse Deutschlands aus eigener Anschauung und mir schmecken die Thüringer am bessten.

 

Dienstag, der 16. Juni

 

Feijoada carioca ist das brasilianische Pendente zum Bolito misto der Mittelmeerländer.

Ich habe es im „Garota de Ipanema“ in Rio de Janeiro gegessen. Es ist reichhaltiger und es schmeckt. Das Gericht enthält nämlich zusätzlich die afrikanischen Einflüsse der brasilianischen Bevölkerung.

Mittwoch, der 17. Juni

 

Es gibt Szegediner Gulasch, wahrscheinlich nicht mit Nudeln sondern mit Kartoffeln.

Donnerstag, der 18. Juni

 

Für heute habe ich marinierten Matjes nach Hausfrauenart mit Pellkartoffeln vorgesehen, sollten wir aber unterwegs auf frischen Fisch treffen, dann gibt es den. Und der ganze zeitliche Plan verschiebt sich. Wir sind ja flexibel.

Auf Los gehts los

Freitag, der 12. Juni

 

Wir sind früh in Maasholm. Ich habe an Bens Fischbude in Flensburg Fischbrötchen und beim Bäcker Brot gekauft.

Bens Fischbude im Museumshafen in Flensburg ist mittlerweile deutschlandweit bekannt. Seine Fischbrötchen waren in Tim Mälzers Fernsehsendung "kitchen impossibel" die Herausforderung für die Zwei- Sterne-Köchin Tanja Grandits. Und Bens Fischbrötchen sind eine Augenweide und ein wahrer Gaumen-schmaus. Im Internet steht, dass er um 12 Uhr öffnet. Aber zu Coronazeiten ist sowieso alles anders. Als ich kurz vor 12:00 dort ankomme läuft der Laden schon lange in vollen Zügen. Auch ich darf mich hinten anstellen. Als dann meine 14 Fischbrötchen fertig sind ist die Schlange hinter mir auf gute 30 Leute angewachsen. 

Zur Sendung von Vox siehe auch: https://www.vox.de/cms/kitchen-impossible-2019-schock-fuer-tanja-grandits-in-dieser-kueche-kann-sie-ihren-fisch-nicht-frittieren-4300358.html

Ich bin in Maasholm der Erste und bringe schon mal alle meine  Sachen zum Schiff. Dann ist auch Karsten mit seinen Mannen da und übernimmt das Schiff.

Und es beginnen die Probleme. Falk verlegt die mitgebrachte elektronische Ausrüstung. Aber die bordeigene Elektronik ist nicht in Ordnung. Der Bordrechner spinnt und die 12 V Spannungsebene, die auch wir brauchen, ist so niedrig dass unser Navigationsrechner aussteigt. Also bemühen sich die geballte Sachkenntnis von Bootsmann und unserer Truppe, das Problem zu lösen. Irgendwann sind die Probleme (scheinbar) gelöst und wir laufen 17:00 Richtung Kiel-Holtenau aus.

Ralf hat über die ersten Stunden bis zum Ablegen ein schönes Video zusammen gestellt. Hier ist es.

 

Ich bin müde und gehe nach dem Ablegen in die Koje. Als ich so gegen 21:00 wach werde legen wir gerade in Kiel-Holtenau an. Und Karsten ist am Telefonieren mit dem Bootsmann. Wieder wegen der Bordelektronik. Es funktioniert nichts richtig.

Auf meine Frage an die Schiffsleitung, ob sie denn schon mit der Schleuse Kontakt aufgenommen haben, bekomme ich ein "Nein" als Antwort.

Also die Schleuse angefunkt. Von da kommen keine guten Nachrichten. Die Schleusenliste ist lang, wir könnten erst 22:15 schleusen und das lehnt die Schleuse ab. Begründung: Wir kommen in der möglichen Reisezeit nicht mehr bis zur Marina in Brogstedt, dem nächsten Liegepunkt. Damit ist eine Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal einfach nicht möglich .

Nun ist guter Rat teuer. Wenn wir in der Nacht um 3:30 in den Nord-Ostsee-Kanal einlaufen, dann sind wir erst nach zehn in Brunsbüttel und laufen gegen die auflaufende Flut in die Elbemündung. Das bringt nichts. Die ganze Route ist so nicht zu machen. Also beschließen wir den ursprünglichen Plan zu känzeln. Über neue Überlegungen zum Törn werden beim morgigen Frühstück beraten. Da wir garantiert nicht in den Kanal einlaufen, legen wir vor dem Schlafen gehen das Schiff noch um. Bei dem für morgen angesagten Ostwind ist dann das Ablegen leichter.

Aus den Gesprächen beim Abendessen konnte ich entnehmen, dass meinen Kollegen das Wasserbus fahren nicht gut bekommen war. Es ging ihnen im Kabbelwasser gar nicht gut und es gab auch welche, die Neptun zusätzlich ihr Opfer bringen mussten.

Sonnabend, der 13. Juni

Als ich um sieben aufstehe, ist Karsten schon wieder an der Stromverteilung zugange. Ihm war in der Nacht die Erleuchtung gekommen warum die 12 V Spannung nicht funktioniert. An der 12 V Klemme im Schrank liegen die 12 Volt an, an den Endverbrauchern nicht. Die Klemmstellen werden nachgezogen und siehe da, es funktioniert. 12 V da, alles gut

Das nächste Problem kommt mit dem Frühstück. Der Herd bringt nicht die richtige Leistung, Wasser für den Kaffee braucht ewig.  Und auch sauber machen der Brennstellen bringt wenig. Einer der kleinen Brenner geht immer wieder aus. Das Thermoelement wird nicht warm genug. Und der große Brenner geht überhaupt nicht.

Irgendwie bekomme ich das Frühstück doch zusammen. Allen schmeckt es offensichtlich. (Und Suppe muss sein!!!)

Nach ausgiebigem Studium der Wetteraussichten beschließen wir unseren Törn nach Anholt fortzusetzen. Jetzt haben wir Wind mit 4 aus Ost, er wird im Laufe des Tages auffrischen, mit sechs und Böen sieben, im Norden wird er etwas weniger wehen.

Also laufen wir um 10:00 aus, Ziel Kleiner Belt. 

Zum Wachwechsel 14:00 sind dunkle Wolken zu sehen, die nichts Gutes verheißen.

Die zwei Wachen bringen ein Reff ins Großsegel und beschließen 15 Minuten später das Segel ganz zu bergen. Gerade rechtzeitig, denn kurze Zeit später ist der Wind aufgefrischt und die ersten Böen mit Stärke 7, manchmal auch Stärke 8, sind da.

Und es wir unangenehm. Es regnet und um uns herum stehen Gewitter. Der arme Peter darf bei dem Wetter am Ruder stehen und keiner hat das im Bild fest gehalten .

Das folgende Video fasst den Tag bis dahin in bewegten Bildern zusammen.

 

Dann kommt über Kanal 16 vom dänischen Küstenfunk eine Sturmwarnung für unsere Gegend. Karsten funkt Olympiaradio an und fragt nach ob wir wegen der Sturmwarnung den nächsten Hafen anlaufen können. Das bringt den Kollegen am anderen Ende der Verbindung in arge Bedrängnis. Er verweist uns an die dänische Coronahotline. Und die schickt uns in die Warteschleife und schmeißt sich nach einer halben Stunde selber wieder raus. Keine Antwort ist auch eine Antwort. Also nochmals Olympiaradio, und als wir dem freundlichen Menschen dort erklären, dass wir nur anlegen und nicht an Land gehen wollen, bekommen wir ein wages OK. Und die Empfehlung uns mit dem Hafenmeister in Verbindung zu setzen.

Der nächste Hafen ist Assens. Unser Schoner darf mit seinen 19 Metern nicht in den Yachthafen einlaufen und so legen wir uns in das Industriehafenbecken. Zwar gibt es dort keine Infrastruktur aber auch keine Menschen, die uns Fragen stellen könnten. Denn noch haben wir nicht den 15. Juni an dem man als deutscher Staatsbürger wieder nach Dänemark einreisen kann.

Unter Mühen mit dem Herd bringe ich das Abendesssen zustande. Es geht nur eine Flamme und die auch nur so lala. Die Steaks konnte ich ohne Probleme SousVide garen. Der Beefer gibt ihnen dann den letzten Schliff. Dann die Kartoffeln kochen und im Bett warm stellen. Dann den Spargel und die braune Butter. Mir graust schon vor den nächsten Tagen.

Gemütlich klingt der Abend aus.

 

Sonntag, der 14. Juni

 

Die Nacht im Hafen war geruhsam. Gegen sechs stehe ich in der Küche.

Den Herd haben wir jetzt im Griff. Dem Ingenieur ist nichts zu schwer und Ossis wissen sich zu helfen. Den Sicherheitsmechanismus haben wir mit drei Kaffeelöffeln außer Kraft setzen müssen. Also ist von jetzt an Obacht beim Kochen angesagt.

Wir frühstücken in aller Ruhe und beschließen unseren Trip nach Anholt fortzusetzen

Draußen scheint die Sonne und es weht mit einer guten Fünf aus NO. Um acht Uhr laufen wir aus. Kurs kleiner Belt. Der Wind ist einfach herrlich. Mit der guten Fünf geht es unter vollem Tuch Richtung Middelfard. Der Adler ist in seinem Element. Mit neun Knoten läuft er vorwärts. Wir haben zwischenzeitlich auch 10,1 Knoten gesehen. Da macht Segeln Spaß. Die Wache, die während dieser Zeit tätig ist, bittet darum ihre Wache um eine Stunde verlängern zu dürfen. Das spricht für den Spaß den wir auf diesem Kurs hatten.

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Wegen der zu erwartenden Düsenwirkung im Kleinen Belt nehmen wir das Groß weg. Das war gut, denn es hackt doch ganz beachtlich. Dass Schiffe bei diesem Winde Lage schieben und man alles gut sichern sollte, ist einigen Zeitgenossen immer noch nicht in Fleisch und Blut eingegangen. Bei dem ersten Wechsel auf den neuen Bug gibt es in der Küche einen Schlag und der Teebereiter liegt zerstört am Boden. Schade drum.

 

 

Den Kleinen Belt nehmen wir in der Kreuz.

Karsten übernimmt für diesen Teil das Kommando.

 

Auf dem Vorschiff sitzen die amtierende Wache und die Bereitschaftswache entspannt und warten auf Karstens Komandos. Falk sitzt unter Deck am Kartenplotter und überwacht unseren Kurs. Sind wir dicht genug unter Land zählt er bis zum Wendepunkt runter. Und dann kommen Karstens Komandos und dann die 5 Mann bedienen die beiden Vorsegel. Nach der dritten Wende geht es wie das sprichwörtliche Brezelbacken. 

 

In weniger als einer halben Minute wechseln wir ohne Geschwindigkeitsverlust von einem Bug auf den anderen.

 

Leider hat das keiner per Video festgehalten. es wäre ansehenswert gewesen. 

 

Das hier ist der Mitschrieb auf dem Kartenplotter von unserem Kreuzkurs durch den kleinen Belt. 

Halb elf haben wir die erste Wende am Eingang des kleinen Belts gesegelt und um kurz vor ein Uhr hatten wir den kleinen Belt passiert. Dann noch ein langer Schlag um uns von den Untiefen frei zu segeln und es geht wieder nordwärst. Diese Passage wird allen, die dabei waren, im Gedächtnis bleiben.

Durch den Belt läuft eine beachtliche Strömung. Wir laufen zwar acht Knoten, über Grund aber nur drei. Am Ausgang des Belts hat sich eine verehältnismäßig hohe Welle aufgebaut. Erst ein paar Meilen weiter nimmt der Seegang ab. Wahrscheinlich wird in den Belt mehr Wasser gedrückt als er aufnehmen kann. Nach der Passage des kleinen Belts setzen wir wieder Volltuch.

 

 

 

Zum Snack am späten Nachmittag gibt es dann Halberstädter Würstchen und selber gebackenes Brot. Karsten hat es gestern Abend angesetzt und heute Vormittag ausgebacken. Es war vorzüglich. Das nächste Brot steht als Ansatz schon in der Küche.

So segeln wir den Nachmittag nordwärts. Im Laufe des Abends schläft der Wind ein. Wir hatten die Abnahme ja erwartet, aber dass er ganz weg ist, war nicht eingeplant.In Höhe des Svanegrunds bergen wir die Segel, es hat keinen Sinn mehr.  Also Motoren. Anholt liegt noch einige Seemeilen weit weg. 

Das Abendessen wird in Etappen eingenommen. Für Karsten bleibt von Rest ein umfangreicher Mitternachtssnack übrig. Der arme Junge hat immer Hunger, bekommt er zu Hause nicht genug oder verbraucht er soviel?

Danach sitzt der wachfreie Teil der Mannschaft noch gemütlich zusammen. Kurz nach 20 Uhr passieren wir die kleine Insel Løggegard und eine Stunde später die Nordspitze von Samsø. Gegen halb elf gehe ich in die Koje. Der Maschine begleitet mich in den Schlaf.

Montag, der 15. Juni

Als Koch bin ich ja in keine Wache eingeteilt. Ich darf schlafen. Aber so entgeht mir eben auch der Zauber der Mitsommernächte. Torsten hat das in einem kitzekleinen Videoschnipsel eingefangen.Torsten ist Wache 1, also sollte das Video in den ersten zwei Stunden des 15. Juni aufgenommen worden sein.

 

Dafür lässt sich dieses Bild  zeitlich eindeutig bestimmen. Auch wenn es hier nur undeutlich zu erkennen ist, die Bildbearbeitung macht es möglich, das zeigt dieser Ausschnittt

Halb sieben werde ich wach, das Maschinengeräusch hat sich geändert. Wir legen gerade in Anholt an. Es ist ein sonniger Morgen. Es ist wunderschön. Auffällig ist, der Hafen ist leer. Statt über zweihundert Schiffe liegen nur zwölf an den Stegen. Und wir sind nicht die einzigen Deutschen. Ein anderes deutsches Schiff war schon vor uns eingelaufen.

Die Formalitäten sind schnell erledigt. Kein Mensch interessiert sich für die Deutschen, die da angekommen waren. Nach dem Frühstück beschließt ein Teil der Mannschaft die Insel mit dem Fahrrad zu erkunden. Der Rest bleibt an Bord und macht Ordnung.

Dann fällt Woki auf, dass in einem Klo das Waschbecken nicht abläuft. Er sichtet eine Nudel, von der er meint sie behindere den Abfluss. Wie kam nur diese Nudel dahin? Mit vereinten Kräften wird nun versucht der Lage her zu werden. Vergebens. Bis es uns dämmert, dass der Fäkalientank offensichtlich überfüllt sein muss.

Mit der Pumpe lässt sich das Problem nicht lösen. Sie fördert nicht. Die Handlenzpumpe aber fördert nach gutem Zureden. Den ganzen Tank von Hand zu Lenzen ist anstrengend. Also wird das Radfahrerteam um Hilfe gebeten. Man verspricht uns sofort umzukehren. Als nach einer Stunde immer noch niemand da ist, laufen wir aus, um draußen den Tank alleine zu leeren.

Nach dem die Handlenzpumpe etwas Platz zum Spülen der Motorpumpe geschaffen hat, fördert diese auch wieder. Der Rest ist schnell geschafft.

 

Nach getaner Arbeit machen Karsten, Atomwolfgang und ich ein kleinen Urkundungsgang in die Umgebung des Hafens. Ich laufe nicht so lange mit, ich gehe in die Dünen. Und dann trifft man auf intakte Natur. Das hier ist Meerkohl, er ist essbar und schmeckt richtig gut. Aber für eine Abendmahlzeit für unsere Truppe hätte ich den ganzen Bestand abernten müssen. So gibt es nur eine kleine Kostprobe. Und vom Queller, eine sukulente Strandpflanze, gleichfalls.

 

 

Der Hafen von Anholt ist wirklich ein Schmuckstück. Wenn Corona nicht wäre, hier wäre was los. Es gibt mehrere Lokalitäten, leider zu und einige Geschäfte. Trotzdem ist der Hafen so was wie der gesellschaftliche Mittelpunkt. Für die Segler hat man eine schöne Grillstation und wunderschöne Sitztmöglichkeiten errichtet, an denen man gemütlich sitzen kann. Ein Tisch war schon gedeckt. ich wurde aber nicht eingeladen :-).

Die Radfahrer sind zum späten Nachmittag wieder an Bord. Sie hatten sich verfranzt und waren an fast unpassierbaren Radwegen gescheitert. Loser Sand ist eben kein guter Untergrund zum Radfahren.

Warum unsere Radfahrer so in die Bredoullie gekommen sind, ist in der Vegangenheit der Insel Anholt begründet. Früher war die Insel mit Kiefern bewaldet. Wie das so immer ist, der Wald wurde abgeholzt. Und da die Insel praktisch nie landwirtschaftlich genutzt wurde, breitete sich eine Heidelandschaft aus: Ørkenen, zu Deutsch Wüste. Es ist die größte zussammenhängende Flechtenheide Europas. Die Insel Anholt ist 2.237 ha groß und davon stehen. 2.067 ha unter Naturschutz. Also Jungs, ihr habt etwas Besonderes gesehen. 

Und weil wir schon bei Zahlen sind, es leben auf Anholt 138 Menschen, der Hafen ist für die Kattegatfischer ein Nothafen. Anholt hat einen Flugplatz, der im Sommer täglich und im Winter wöchentlcih angeflogen wird. Und es kommen jede Menge Touristen auf die Insel, die aber ihr Auto auf dem Festland lassen müssen.

Der Rest ist schnell erzählt. Das Wildschwein ist einfach große Klasse. Die Mannschaft ist begeistert.  Nach dem Essen wurde das Ziel für den morgigen Tag ausgesucht. Der Wind wird auf nördliche Richtungen drehen und weiter östlich wird er eine gute drei erreichen. Also fahren wir durch den Großen Belt zurück.

Beim morgigen Anlegen hatten wir beobachtet, dass die Einheimischen beim einlaufenden Fischer eingekauft haben. Also werden wir morgen früh versuchen beim Fischer fangfrischen Fisch zu kaufen.

Dienstag, der 16. Juni

Es gibt beim Fischer Fisch. Die Einheimischen kaufen aber keinen Fisch, sie kaufen wunderschöne Garnelen. Der Fisch ist nur Beifang.Es gibt alles mögliche, aber von den verschiedenen Fischen geben keine Sorte eine Mahlzeit für die Crew. Nur Schollen gibt es genug. Zwanzig Schollen kosteten uns 200 Kronen und liegen nun sauber geputzt in der Backskiste.

Nach dem Einkauf laufen wir aus, Ziel Ballen auf Samsø. Gefrühstückt wird schon auf See. Der Wind lässt das Setzen des Fischermans zu. Der wird gehisst und wird endlich mal wieder ausgelüftet. Das Segel steht auch noch hervorragend als wir auf Halbwindkurs laufen.

Dieses Bild haben Peter und ich eigentlich auf den Sonntagnachmittag verortet. Aber es gibt ja auf den Bordinstrumenten auch eine Ortsanzeige und mit dem Mitschrieb der Route auf dem Bordrechner ist der Zeitpunkt der Aufnahme eindeutig bestimmbar. Es ist der 16. Juni kurz vor elf Uhr.

Peter macht die Drohne fertig und lässt sie um das Schiff fliegen. Die Rückkehr gestaltet sich schwierig. Wir müssen mit der Maschine die Fahrt etwas einbremsen damit die Drohne wieder an Bord geholt werden kann. Das Einfangen übernimmt Karsten. Erfolgreich, aber mit Blessuren an der rechten Hand. Drei Finger sind lädiert. Woki verarztet ihn fachgerecht. 

Das beim Flug enstandene Filmaterial wird Mario im Herbst zu einem Video zusammen schneiden. Aber für unsere WhatsApp Gruppe hat er gleich ein kleines Video zusammen gestellt, das haben wahrscheinlich alle den Daheimgebliebenen zu geschickt bekommen.

Der Wind lässt am Nachmittag nach und dreht etwas. So wird Ballen auf Samsø als Tagesziel aufgeben. Wir entschließen uns Serejø anzulaufen. Wir werfen zur Unterstützung die Maschine an und bergen dann am späten Nachmittag die Segel.

 

Gegen 19:30 machen wir in dem kleinen Hafen fest. Ein sehr freundlicher Hafen, Strom und Dusche sind umsonst. Er ist nicht so schick wie Anholt, aber dafür seglerfreundlich.  Zum Abend stehe ich dann an der Pfanne und brate Scholle. Drei Stück gehen auf einmal in die große Pfanne. So gibt es das Essen in Etappen. Zum Schluss darf ich dann an den Tisch. Die letzte große Scholle war meine.

Die Mannschaft macht sich nach dem Aufklaren auf einen Inselrundgang. Der Insel scheint es wirtschaftlich nicht besonders gut zu gehen. Die Häuser machen nicht den besten Eindruck. Dafür die Kirche umso mehr. Ich habe das Ganze nicht gesehen. Ich bin nach dem Essen wie tot ins Bett gefallen und habe bis zum Morgen durchgeschlafen.

 

Und weil es zum guten Ton gehört, hier noch ein paar Worte zu unserer Gastinsel. Die ist ziemlich groß, 12,37 km2

und auf ihr leben ständig 342 Einwohner. Auf der Insel gibt es kaum Süßwasser und da ist schon erstaunllich, dass im Hafen die Dusche nichts kostet. 

Mittwoch, der 17. Juni

 

Wir haben heute ca. 50 Seemeilen vor uns, wenn wir den direkten Kurs segeln. Bei dem erwarteten schwachen Wind brechen wir halb acht Uhr auf.  Frühstück gibt es auf See. Die ersten knapp 2 Stunden fahren wir mit der Maschine.

 

Viertel nach neun setzen wir Segel.Und zwar alles was wir haben, einschließlich Fischermann.Es läuft ab wie im Lehrbuch. Anfangs ist der Wind schwach, nimmt aber auf eine drei zu. 

 

Zum Wachwechsel um zehn haben wir das Røsnæs Fyr auf der Halbinsel Bjørnstrup qwerab und gehen auf Südkurs. Wenn Jemand fragt wo das Røsnæs Fyr liegt, es ist der östlichste Punkt der Insel Sjælland.

 

Der Südkurs lässt sich aber nicht richtig segeln. Unsere Marschgeschwindigkeit sinkt von gut fünf Knoten auf knapp zwei Konten. Das bringt uns auf Dauer nicht vorwärst und so gehen wir nach zwanzig Minuten etwas auf den Backbordbug und kreuzen den Rest der Strecke vor dem Wind.

 

So kurz nach halb elf, wir waren gerade in den Kreuzkurs eingeschwenkt, dürfen wir an der Seewassserstrasse ein interessantes Schauspiel beobachten. Schon vorher war aufgefallen, dass ein Schiff, dass sich auf der Backbordseite der Seewasserstrasse näherte, ganz offensichtlich auf Kollissionskurs mit einem anderem dort fahrenden Schiff befindet.

 

Wir konnten den ganzen Vorgang mit AIS verfolgen, und da auf dem Katenplotter auch die Kurse der Schiffe mit aufgezeichnet werden, ist der Vorgang auch klar ersichtlich. Die HELLAS STREAM befährt die Seewasserstrasse, der sich die SANDNES von Backbord mit hoher Geschwindigkeit nähert und auf sie einschwenken will. Im letzten Moment weicht die HELLAS STREAM aus und verhindert so die Kollission.

 

Das gelbe Schiff ohne Namen ist ein Schiff der dänischen Marine, das rote Schiff ist der Preußische Adler.

Auf Kanal 16 geht dann die Beschimpfung los. Die Brücke der HELLAS STREAM nennt den Menschen auf der SANDNES einen gottverdammten Idioten und er sollte sich doch den fucking workcanal reinziehen, er sei ein Ignorant und er möge mal im Handbuch nachschlagen, was er für einen Mist gebaut habe. Die Gegenseite lässt das nicht auf sich sitzen und gibt Kontra. Bis sich das dänische Kriegsschiff einmischt und die Kontrahenten auffordert sich doch auf einem anderen als dem öffentlichen Kanal zu beschimpfen.

Karsten hat, wie auf jeder Reise, den Sextanten mit. Und wenn das Schiff so ruhig vor sich hin segelt kann man die Zeit auch anderweitig nutzen. Also macht er mit dem Sextantan eine Ortsbestimmung. Im Internet gibt es ein Programm, das die abgelesenen Daten in eine Ortsbestimmung umrechnet und auf dem Kartenplotter sichtbar macht. Hier das Ergebnis. Wenn man bedenkt, dass Karsten wegen der geografischen Umgebung kein eigentlicher Horizont als Bezugsebene für den Sonnenstand zur Verfügung stand, ist das Ergebnis der Messungen schon sehr erstaunlich. Hut ab. 

 

18:33 passieren wir die Brücke über den Großen Belt. Und das Internet macht es möglich, wir sehen uns in der Aufnahme der Webcam der Brücke. Mario hat das Bild hochgeladen.

Essen gibt es heute auf See. Heute ist es besonders aufwendig. Fajoada carioca hat viele Komponenten und der Koch nur einen kleinen Herd und eine kleine Arbeitsfläche. Er ist sichtlich genervt, wie man in dem Videoschnipsel nach voll ziehen kann. Am Ende hat es sich gelohnt und allen hat es geschmeckt.

Gegen 18:30 durchfahren wir die große Beltbrücke, folgen ein Stück der Seewasserstraße und biegen dann nach Omø ab. 22:00 legen wir in Omø an, leider neben dem Anleger der Fähre, aber als so großes Schiff, wie es der Preußische Adler ist, kann man sich seinen Liegeplatz nicht immer aussuchen. Und hier noch die Zusammenfassung des Tages, aufbereitet für die daheim Gebliebenen.

Donnerstag, der 18. Juni

Die Fähre heute früh habe ich nicht gehört. Sechs Uhr war Aufstehen, aber bis alle durch die Körperpflege durch sind vergeht einige Zeit. Dann war das Gruppenfoto angesagt. Diesmal ganz anders als die vergangenen Jahre. Ralfs Fotoapparat hatte den Geist schon am Anfang des Törns aufgeben und so kam die Drohne zum Einsatz um das Gruppenfoto zu schießen. Und das eröffnet völlig neue Perspektiven. Um acht legen wir ab und segeln südwärts. Der Wind hält das, was uns gestern in der Vorhersage versprochen wurde. Eine gute drei aus Ost steht an. Auf raumen Kurs segeln wir mit Volltuch und Fischerman mit guten sechs Knoten den Langelandsbelt ab. Zum Wachwechsel um zehn haben wie Lolland backbord querab. Der Wind ist hervorragend. Gelegentlich nimmt er auf vier zu. Das folgende Video weckt Erinnerungen.

 

Das Ganze wird so ohne Manöver etwas langweilig. So sieht man dann die Wache zwei um die Mittagszeit bei intensiver Arbeit.

 

Das heißt, es wird mit der Wache drei Maumau gespielt. Und der Wachführer gibt sich die Kante (grins :-) mit garantiert alkoholfreiem Getränk.

 

Auf Autopilot hat aber noch keiner geschaltet. 

 

 

Zum Wachwechsel erreichen wir die Südspitze von Langeland und fallen langsam ab um auf Ostkurs Richtung Maasholm einzuschwenken. Gegen Nachmittag wird der Wind dwarser und wir sind gezwungen den Fischersman und den Klüver zu bergen um im Schmetterling besser zu segeln.

Um 17:30 bergen wir die Segel dann ganz. Es macht bei einer Geschwindigkeit von guten zwei Knoten auch keinen richtigen Spaß mehr und wir stehen nahe der Schleimündung.

In Dänemark haben wir nicht getankt und so stellt sich die Frage, wo tanken. Wir rufen Dr. Aly an und erkundigen uns nach der nächsten Tankstelle. Er meint, die  Tankstelle im Maasholmer Hafen habe zu, wir sollten nach Kappeln segeln. Machen wir.   

Gegen 20:00 liegen wir im Kappelner Stadthafen. Und das miesepetrige Coronadeutschland hat uns wieder. Die schlechte Laune der Menschen ist richtig greifbar, ganz im Gegensatz zu der Stimmung die wir in dieser Woche auf den dänischen Inseln erlebt haben. Kappeln ist wenig einladendend, die sanitären Anlagen sind geschlossen, die Tankstelle existiert nicht. Der Hafenmeister ist nicht erreichbar. Keiner geht ans Telefon.

Die Mannschaft macht einen Spazirgang durch die Stadt und ich mache das Abendessen.

Beim abendlichen Zusammensitzen lassen wir den Törn Revue passieren und sind doch ganz zu frieden, auch wenn wir unser eigentliches Ziel, Dänemark zu umrunden, nicht erreicht haben.

Freitag, der 19. Juni

Wir frühstücken zeitig. Pünktlich um acht Uhr erscheint der Hafenmeister und will zwanzig Euro kassieren. Nur so fürs rumliegen. Service ist immer noch nicht. Auf meine Frage, warum ich ihn nicht auf dem Handy erreiche, meint er Feierabend ist eben Feierabend. Und wenn ich es mir überlege, er hat recht.

Immerhin hat er eine gute Nachricht für uns. Die Tankstelle in Maasholm ist in Betrieb und macht gerade auf. Die hier im Kappelner Hafen ist wegen Corona vom Betreiber gar nicht erst angeliefert worden. Begründung, kein Bedarf. Also legen wir ab und motoren wieder zurück nach Maasholm.

Wir rufen beim Hafenmeister an und der sichert uns zu, dass wir an der Tankstelle schnell bedient werden. Nach dem Tanken können wir im Fischereihafen dank des zuvorkommenden Hafenmeisters unsere Sachen in die Autos umladen. Das spart Zeit und Mühe. Nochmals ein herzliches Dankeschön für so viel Hilfe.

 

 

Der Rest ist schnell erzählt. Dr. Aly übernimmt persönlich sein Schiff von uns. Wir erläutern ihm unsere Mängelliste und wir hoffen, dass das Schild am Liegeplatz kein böses Omen für den "Preußischen Adler" ist. 

Fazit

 

 

Ihr bekommt diesmal ein etwas ungewöhnliches Bild aus OpenCPN. Leider lässt sich der ganze Törn nur mit sehr kleinem Maßstab auf der Seekarte darstellen. Das Sreenschot gibt im Vollbildmodus nichts Besseres her. So sind eben die Einzelheiten verschwunden. Das verschobene Trapez in der Mitte des Törns ist Fünen und die Endpunkte sind natürlich auf dem Festland verankert.

 

Laut Logbuch haben wir in dieser Woche 419 Seemeilen zurückgelegt.

Davon sind wir gute 80% gesegelt.

Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 5,34 Knoten.

Wir sind somit in dieser Woche 78 und eine halbe Stunde über die Ostsee geschippert.

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