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Törn 2014 von Lauterbach nach Gotland mit Station in Visby, Kalmar und auf den Erbseninseln Törn 2016 von Flensburg nach Göteborg mit Besuch der Insel Läsö und Sönderborg Törn 2017 von Maasholm rund Sjælland mit Stationen auf der Insel Serejø, in Helsingør, auf der Insel Ven, in Kalvehave Sogn und Marstal. Törn 2018, von Lauterbach über Hanö nach Karlskrona. Dann aber nicht nach Gdansk sonder über Christiansöe und Bornholm wieder nach Lauterbach Törn 2019 rund ums Ijsselmeer
Törn  2014 von Lauterbach nach Gotland mit Station in Visby, Kalmar und auf den Erbseninseln Törn 2016  von Flensburg nach Göteborg mit Besuch der Insel Läsö und Sönderborg Törn 2017 von Maasholm rund Sjælland mit Stationen auf der Insel Serejø, in Helsingør, auf der Insel Ven, in Kalvehave Sogn und Marstal. Törn 2018, von Lauterbach über Hanö nach Karlskrona. Dann aber nicht nach Gdansk sonder über Christiansöe und Bornholm wieder nach Lauterbach Törn 2019 rund ums Ijsselmeer

Vorbereitungen

Nach dem Törn ist immer vor dem (nächsten) Törn.

 

Auch wenn es im vergangenen Jahr etwas länger gedauert hat, Corona lässt grüßen, schickt Falk im November an die Segelgemeinde eine Mail mit den ersten Überlegungen für 2021 und an mich die Aufforderung in Warnemünde drei Schiffe zu buchen. Die Schiffe habe ich gebucht, mit dem üblichen Hin und Her, und so stehen für uns zwei Bavaria 46 und eine mit 41 Fuß Länge bereit. Die Mannschaften zusammen zu bringen war nicht ganz so einfach. Auf zwei Schiffen gibt es noch mindestens eine Koje.      

Und das ist der Vorschlag für den Törn 2021.

 

Wir starten im Hafen "Hohe Düne" bei Warnemünde und segeln Nordwärts durch den Grönsund nach Vordingborg und weiter durch das Smålandsfahrwasser nach Femø, Fejø oder/und Omø. Dann nach Svendborg, Insel Lyø oder Ärø und über Fehmarn zurück. Das sind ca. 230 sm. Also nicht zu viel. So haben wir auch Zeit uns was anzusehen. Ideen können gern eingebracht werden.

Zeitlich haben wir die Woche vom 12. bis 19.06.2021 geplant. 

 

Die Schiffe sind für eine Woche später gebucht.

Das ist der Stand heute 10. April. Zwischenzeitlich hat die Pandemie wieder an Fahrt zu genommen und alles ist fraglich. Eigentlich ist nächste Woche für zwei Schiffe die Restzahlung fällig. Aber Mola als der Vercharterer fährt mit uns auf Sicht. Geld wird also erst fließen wenn der Törn wirklich möglich ist. Hatten wir im vergangenen Jahr auch und wir hatten mit dem Vorhaben Glück. Drücken wir die Daumen, dass es in diesem Jahr genauso gut läuft.

Dienstag, 15. Juni

In den letzten zwei Wochen ist ein bißchen was geschehen. Der Vercharterer hat mit Vertragserfüllung gedroht, er hat uns aufgefordert die zweite Rate zu bezahlen. Segeln wäre ja wieder möglich. Wobei, die Bestimmungen in McPom sagen über die Benutzung von Charteryachten nichts aus. Eine Segelyacht vereinigt die Besatzung auf engstem Raum und das unter, wenn auch moderaten, Coronabedingungen, Von meiner Mannschaft sind drei Mann vollständig geimpft. Die sind zwar anwesend, zählen aber nicht. So könnten wir wohl problemlos auf der Yacht die eine Woche leben. 

Also, der Vercharterer hat sein Geld, ich war schon einkaufen und in Dresden ist man auch rührig. 

Dafür fällt Dänemark aus. Wir dürfen zwar einreisen, wir kommen ja aus einem orangem Gebiet, aber wieder nach Hause ist mit Hindernissen verbunden. Dänemark ist Risikogebiet. Und das bedeutet Quarantäne nach der Einreise und damit verbietet sich der Trip in die dänische Südsee.

Das Wetter ist im Moment auch etwas unübersichtlich. Wir werden ständig wechselnde Winde haben und da ist ein Plan eigentlich nicht möglich. Dieses Jahr ist Alles etwas anders. Lassen wir uns überraschen.

 

Freitag, 18. Juni

Wie immer, wenn es an Nord- oder Ostsee geht, verläuft meine Anreise über meinen Bruder in Halberstadt. Hat den Vorteil, ich sehe ihn wieder mal und es gibt die originalen Halberstädter. Heute früh gehe ich die verderblichen Lebensmittel einkaufen, dann Soljanka kochen, das Auto packen und nach Halberstadt fahren. Alles Routine.

Sonnabend, 19. Juni

 

Heute bin ich von Halberstadt an die Ostsee gefahren. Die Fahrt war eigentlich ganz vernünftig. Ich bin gut voran gekommen, nur die Wärme draußen war ätzend. Die 35 Grad am Hafen in Warnemünde waren wirklich zu viel. Der Strand war überfüllt und die Parkplätze damit auch. Die Autos entladen und dann sicher abstellen war nicht so ohne. Vor allem einen Platz für Peters großen Transporter zu finden machte einige Mühe. Aber irgendwie hat er ihn dann doch noch auf dem hafeneigenen Parkplatz untergebracht. Ein Baum musste ein bischen darunter zu leiden.

Die Kollegen von Mola waren mit dem Start in die Saison ein wenig überfordert. Sie hatten die Übergabe der Schiffe auf 10 Uhr vorgezogen. Aber der Andrang war groß und die Übergabe erfolgte im Büro. Der Skipper bekam Liegeplatz, Schiffsname und die zugehörigen Papiere und durfte die Kaution hinterlegen. Das war die Übergabe.

Die Mannschaft durfte sich auf eigene Faust davon überzeugen, dass an Bord alles vorhanden und funktionsfähig ist. Erläuterungen gab es keine, man verlässt sich einfach darauf, dass die Besatzung eben mit einem Segelschiff vertraut ist. Mir fehlt das Fernglas welches auf meiner Inventarliste zwar aufgeführt aber nicht zu finden ist. Problemlos bekomme ich im Büro ein Neues, ganz ohne Quittung. Das Originale findet sich dann auch und so haben wir eben zwei Ferngläser.

Da fehlt was

Ja wirklich, es fehlt was. Nämlich die Mannschaft.

Es sind (fast) immer die Selben.

Da ist Falk der Skippper

 

Dazu Peter, Skippers Stellvertreter, Navigator, "Transportunternehmer" mit Großraumfahrzeug und damit verantwortlich für den Transport der sperrigen Sachen des Unternehmens Segeltörn 2021. 

 

 

Auch den kennen wir, Woki. Wolfgang bringt den Wein mit. Da versteht er sich drauf.

 

Und auch Marco ist ein alter Bekannter. Auf seine Bilder freue ich mich immer wenn er dabei ist. Sie bereichern jeden Bericht.

 

Das ist der Neue. Mit Segeln hat Mario eigentlich nichts am Hut. Er ist absoluter Neuling.

Aber er kann nicht nur Dächer decken. Er bringt sich an jeder Stelle ein und lernt unheimlich schnell.

Am Ende des Törn ist aus ihm ein Segler geworden.

 

Und den Berichterstatter haben wir hier am Schluss. Als Alterspräsident stehe ich unter der Fürsorge der Mannschaft. Dafür sorge ich für das leibliche Wohl aller an Bord, und, wenn was übrig bleibt, auch noch für Andere.  

Immer noch Sonnabend

Der Rest schleppt sich dahin. Das Schiff wird beladen. Die Wärme drückt von oben und alle haben offensichtlich nicht den richtigen Antrieb. Es dauert eine ganze Weile bis wir alles an Bord haben. Falk und Woki versuchen die Private Navigationszentrale in Gang zu bringen. Vergeblich. Wie so oft scheitern wir an den elektrischen Gegebenheiten. Es gibt keine permanente 230V Steckdose und der Spannungswandler macht nicht was er soll. Das Laptop bricht wegen der Spannungsschwankungen immer wieder zusammen. Schweren Herzens verzichten wir auf unsere Elektronik. Das macht sich sicher beim Bericht schreiben bemerkbar.

 

Gegen vier Uhr raffen  wir uns dann auf und bringen das Boot zum Auftanken. War eigentlich umsonst, denn der Tank fasst noch gute acht Liter, war also voll. Bei unserem Schwesterschiff, der "Maria", ist es das selbe und so machen wir uns gemeinsam auf, um Karsten auf der Ostsee vor Warnemünde aufzugabeln.

Anfangs laufen wir unter Motor und dann kommt ein wenig Wind auf und wir setzen zusätzlich die Segel. Unser Ziel liegt im Westen, wir wollen Fehmarn erreichen. Über den Hafen wird zwischen den Skippern per Funk diskutiert. Karsten ist romantisch, ihm schwebt Übernachten vor Anker im Flachwasser vor. Die zwei Anderen sind für Hafen und so laufen wir in Richtung Burgstaaken.

Zu Abend gegessen wird auf See. Von der Soljanka bleibt noch was übrig und wird der Besatzung der "Maria" angeboten. Buri nimmt dankend an, will die Suppe aber erst im Zielhafen übernehmen.

So gegen zehn schläft der Wind ein und wir bergen die Segel. Mit dem letzten Abendlicht erreichen wir die Einfahrt zum Kanal und die unbeleuchteten Bojen sind gegen das schwache Mondlicht recht gut auszumachen. Außerdem hilft der Handscheinwerfer. Halber zwölfe liegen wir im Industriehafen. Wir haben Sanitäreinrichtungen und Strom und Mario erfragt sich den Zugang zu den Toiletten. Alles geritzt. Er verschwindet zum Duschen.

Im Burgstaaken ist was los. Jungen Leute feiern an Kartens Schiff bis halb fünf Geburtstag als gäbe es kein Corona. Wir sitzen noch an Deck und lassen den Segeltag bei Rotwein von Marco ausklingen.

Fazit Tag 1

Von Warnemünde nach Burgstaaken.

 

Und jetzt macht sich die fehlende Elektronik und das lässsig geführte Logbuch bemerkbar. Es gibt keine Daten.

zurückgelegte Strecke knapp 40 NM

Reisezeit ca. 7,5 h

Durchschnittsgeschwindigkeit 5.3 kn

Sonntag, 20. Juni

 

Marco ist als Erster wach und erkundet den Hafen. Es gibt ja auch was zusehen. Immerhin liegt hier U 11 der Bundeswehr als Museumsschiff im Hafen.

 

Nach geruhsamem Frühstück legen wir ab, Ziel ist ein Hafen auf der Ostküste von Langeland, wenn der Wind mitspielt. Dänemark wird uns schon empfangen. War im  vergangenem Jahr auch nicht anders.

Der Wind weht mäßig aus Ost und wir setzen die Segel. Aber noch vor Erreichen der Seewasserstrasse an der Fehmarnbrücke lohnt sich das Segeln nicht mehr. Also Segel runter und Motor an. Die Passage der Brücke muss sehr spektakulär ausgesehen haben, denn unser Mast ist nur einen knappen Meter kleiner als die Durchfahrtshöhe der Brücke. Aber es gibt ja ein Video, leider hat der Kameramann seinen Standort nicht an der Mastspitze.

 

Hinter der Brücke schließen unsere drei Schiffe zu einander auf und laufen im parallelen Verband mit geringem Abstand nordwärts.

So dicht liegt man in manchen Hafen nicht beieinander. Da gibt es jetzt genügend Zeit einen Klönsnak von Bord zu Bord zu halten. 

Nach einer guten halben Stunde frischt der Wind wieder auf. Er weht jetzt aus West, ein idealer Wind für unseren Nordkurs. Wir segeln mit knapp 10 kn, manchmal auch etwas drüber, unseren Kurs. Irgendwer will auch eine 11 auf dem Display gesehen haben. Wir setzen uns langsam aber sicher an die Spitze des Feldes. Der Wind frischt langsam auf und wird für die volle Segelfläche irgendwann zu viel. Wir entschließen uns die Genua zu verkleinern. Das machen wir bis sie ganz weg ist. Interessanterweise wird das Schiff dabei nicht luvgierig und segelt sich ganz vortrefflich. Die Kollegen konnten das nicht begreifen. Karsten vermutete später wir hätten den Motor mit laufen lassen. 

Gegen 18 Uhr erreichen wir Spodsbjerg und bergen die Segel. Das bereitet bei der Genua Schwierigkeiten. Die Klemme an der Bergeleine rutscht durch und der Quadratmeter Segel, der beim Bergen stehen bleibt, reicht aus um die Genua wieder auszubringen. Das Bergen ist nervig. So verlieren wir unseren Spitzenplatz und laufen als Letzte ein.

Anmelden im Hafen ist richtig esay, hier greift die Digitalisierung richtig. Ein sinnvolles Menü leitet einen durch den Anmeldevorgang, bezahlt wird digital und alle für den Hafen relevanten Daten bekommt man auf sein Handy. Fertig.

Alles was nicht mit der Fertigung des Abendessens beschäftigt ist, macht einen Abendspaziergang zur Erkundigung der Umbebung.

Zum Abendessen gibt es Osso Buco. Wer das Gericht aus der Kalbshaxe kennt, weiß, es bleiben Knochen übrig.

 

Das verleitet diese als milde Gabe an ein bestimmtes Schiff weiter zu geben. Ihr erinnert Euch, Holland vor zwei Jahren.

 

Aber wir haben beschlossen es bei einem Erinnerungsfoto zu belassen.

Vom Abendessen bleibt was für die Besatzung der „Maria“ übrig und so wird ein Teil des Abwaschs gespart. Der Rest ist geselliges Zusammensein. Karsten, der als erster eingelaufen war und etwas entfernt liegt, bekommt gegen 22:30 die Idee das Schiff zu uns umzulegen. Gesagt, getan, 10 Minuten später liegt er uns gegenüber am Steg.

Fazit Tag 2

 

Von Burgstaaken nach Spodsbjerg.

 

 

zurückgelegte Strecke knapp 45 NM

Reisezeit ca. 8 h

Durchschnittsgeschwindigkeit 5.3 kn

 

Die Reisezeit lässt sich leider nur aus den Zeitstempeln der Fotos ermitteln.

Es ist ein Kreuz mit der Buchführung an Bord. Wahrscheinlich ist das Corona geschuldet. Alles nicht so wichtig, Hauptsache gesund.

Montag, 21. Juni

Heute ist „schlechtes“ Wetter. Es regnet und es ist windig. Die Mannschaften haben gestern Abend schon beschlossen, heute auszuschlafen. Ich bereite ein ausgiebiges Frühstück vor. Und siehe da gegen acht Uhr fängt es an zu regnen. Der Regen hält aber nicht lange an. Also wieder in den Wetterbericht geschaut. Der sagt ab Mittag soll es wieder regnen und so bleiben wir im Hafen. Außerdem soll's Wind mit sechs Bft geben, mit Böen sieben. Das muss man sich nicht antun, Kälte, Regen und Wind an der Grenze der Freude, das muss nicht sein.

Gegen die Kälte hilft eigentlich nur Grog. Und wenn es keinen Rum an Bord gibt reicht auch Jim Beam um ein grogähnliches Getränk zu zubereiten.

Beim Hafenmeister gibt es Fahrräder und so schwingen sich die Fitteren auf's Rad und erkunden die Umgebung. Der müde Rest, zu dem ich auch gehöre, bleiben „zu Hause“. Ich habe zu dem noch einen triftigen Grund. Heute gibt es, auf im Vorfeld des Törn von allen Seiten geäußerten Wunsch, Fajoada und das macht viel Arbeit.

 

Als ich dann das viele Fleisch sehe, das da im Kühlschrank auf die Zubereitung wartet, lade ich spontan die Besatzung der „Maria“, die keinen Smutje an Bord haben, zum Abendessen ein.

Essen müssen sie aber auf ihrem Schiff, wir haben nicht genügend Platz. Und außerdem müssen sie Töpfe zur Verfügung stellen. Fajoada hat viele Bestandteile, da reichen unsere Töpfe nicht aus. 

Beim Hafenmeister gibt es Fahrräder und so schwingen sich die Fitteren auf‘s Rad und erkunden die Umgebung. Der müde Rest, zu dem ich auch gehöre, bleiben „zu Hause“. Ich habe zu dem noch einen triftigen Grund. Heute gibt es Fajoada und das macht viel Arbeit. Am frühen Nachmittag mache ich mich, freundlich unterstützt von Marco, an die Arbeit. Es gibt eben viel zu tun

 

Irgendwann treffen auch die Radler wieder ein, ein bisschen gefrustet über die nicht so optimalen Fahrräder.

 

Verloren hatten sie Buri, der war irgendwo falsch abgebogen und hatte dann am Ende seiner ganz privaten Fahrradtour 42 km zurück gelegt. Buri ist eben sportlich.

Mit Mario bereite ich dann die restlichen Zutaten zu. Bei Bohnen und Reis war ich mir nicht so sicher ob die Menge für jetzt elf Esser ausreicht und habe noch ein wenig drauf gelegt. Ein Fehler, wie sich bei der Essenausgabe dann heraus stellen sollte. Die Besatzung der „Maria“ isst wie die Spatzen und meine Leute greiffen auch nicht so richtig zu.

Enttäuschend für den Koch. Aber was solls, geschmeckt hat es allen.

Bei soviel Kalorien und fettigem Fleisch hilft nur noch ein kräftiger Schluck Wodka. Wie gesagt, Trinken ist einfacher wie Essen.

 

 

Beim Abwaschen kommt kein Wasser mehr und wir hatten gestern erst aufgefüllt. Wie sich dann heraus stellt, den falschen Tank. Der im Bug, aus dem wir die ganze Zeit entnommen hatten, ist leer. Aber wo ist die Umstellung auf den anderen Tank? Keiner weiß es. Aber Karsten weiß Rat und das Problem ist gelöst.

Abends treffen sich die Besatzungen auf dem Steg, man liegt ja beieinander. Neben uns liegt eine Crew aus der Lausitz und so habe ich plötzlich einen Segler am Tisch der einen Mitsegler für das nächste Jahr sucht. Ziel ist Riga. Ich meine dass ich mir das Überlegen werde. Dann ist er wieder weg.

Ich gehe schlafen, ich bin müde und auch der Rest ist bald in der Falle.

Fazit Tag 3

Spodsbjerg.

 

zurückgelegte Strecke, keine einzige Nautische Meile. Und über die mit dem Rad gefahrenene Kilometer gibt es wiedersprechende Aussagen

 

Dienstag, 22. Juni

Um sieben gehe ich duschen. Da sitzen zwei der Lausitzer Besatzung draußen in der Plicht ihres Schiffes vor einer Flasche Whiskey. Ihr „Guten Morgen“ war recht unverständlich. Sie hatten die Nacht durch gemacht. Hut ab.

 

 

Nach einem guten Frühstück füllen wir den Wassertank im Bug. Der Schlauch reicht nicht bis an den Bug. Also wird von der anderen Zapfstelle der Schlauch geholt und beide Schläuche mit Panzerband verbunden. Geht. Ossis wissen sich eben zu helfen.

Das Wetter ist angenehm. Es ist ein wenig wärmer als gestern. Die Sonne scheint durch bewölkten Himmel, der Wind weht mit einer Vier aus West, so dass wir unser Ziel mit raumen Wind erreichen können. Da wir es nicht eilig haben lassen wir ein Reff im Segel. Wir segeln so aufrechter und angenehmer ohne viel an Geschwindigkeit einzubüßen. Buri holen wir nicht mehr ein, er war früher gestartet, aber Karsten kaufen wir den Schneid ab. 

 

 

 

 

Mario hat sich in der Zwischenzeit seemännisch gewaltig entwickelt.

 

Mittlerweile steht er nicht nur ganz selbstverständlich am Ruder und hält sauber den Kurs.

 

Er kann auch Knoten und weiß wie man richtig an- und ablegt.

 

 

Kurz vor fünf erreichen wir unser Tagesziel, Karrebæksminde. Die zugehörige Marina macht einen sehr guten Eindruck. Sie ist umgeben von Ferienhäusern. Vom eigentlichen Ort ist nicht viel zu sehen.
Ich gehe bezahlen. Wir liegen auf einem ziemlich teuren Platz und das Drumrum ist auch nicht gerade billig. Wo woanders Strom und Duschen im Preis des Liegeplatzes enthalten sind, macht man hier für alles die Hand auf. Eine Minute Dusche kostet zwei Kronen. Da muss man sich ganz schön beeilen.

 

Die Jungs gehen sich die Gegend anschauen, Mario macht Sport, ich gehe in die Küche kochen. Gekocht wird in mehreren Stufen. Die Steaks liegen schon seit dem frühen Nachmittag im Souvidgarer, bestehend aus einem großen Topf und der kleinen Gasflamme, überwacht von zwei Thermometern und gekonnt reguliert durch Ortsveränderung des Topfes auf dem Herd. Erprobt und es funktioniert. 

Kartoffeln und holländische Soße sind zubereitet und warm ins Bett gesteckt. Dann den Spargel aufgesetzt und als der zu kochen anfängt wird der Beefer gestartet. Läuft wie am Schnürchen. Kurz nach halb acht kann mit dem Essen begonnen werden.

Der Rest des Abends vergeht mit Klönsnak.

Fazit Tag 4

 

Von Spodsbjerg nach Karrebæksminde.

 

 

zurückgelegte Strecke knapp 32 NM

Reisezeit ca. 6 h

Durchschnittsgeschwindigkeit 5.2 kn

Mittwoch, 23. Juni

 

Ziel des Tages ist die Insel Bodø. Da die Strecke nicht sehr lang ist lassen wir es geruhsam angehen. Windy sagt wenig Wind voraus. Es verspricht also einen geruhsamen Tag. Halb zehn laufen wir aus. Wir verlassen den Hafen als Letzte. 

Der Wind weht mit 2 Bft aus West. Aber er dreht auf dem Kurs weiter auf Nord und so segeln wir bald mit achterlichem Wind.

 Der Ehrgeiz lässt einen Segler ja nicht zur Ruhe kommen. Letzter zu sein macht auch nicht so richtig Spaß. So wird denn getrimmt was das Zeug hält. Mit ein paar Kniffen erreichen wir trotz fehlendem Baum für das Vorsegel eine stabile Schmetterlingsstellung und setzen uns langsam an die Spitze. Bei der Einfahrt in den Storstrømmen haben wir die anderen zwei Boote unserer Flotte überholt.

 

Hinter der Storstrømbroen passieren wir die entgegenkommende dänische Marine. Kurze Zeit später erreicht uns von Karsten die Nachricht, dass Buri bei einer Patenthalse am Kopf vom überkommenden Großbaum getroffen wurde. Er hat eine Platzwunde, die medizinisch versorgt werden müsste. Und eben dieses Marineschiff wird sie in den Hafen von Vordingborg geleiten und die medizinische Versorgung von Buri veranlassen.

Wenn man sich die Hafeneinfahrt von Vordinborg auf der Karte ansieht war es schon ganz gut, dass die Marine den Lotsen machte. Karsten meinte hinterher, er wäre nie in den Hafen eingelaufen.
Wir beschließen Bogø Havn anzulaufen und dort auf die Anderen zu warten. Aber der Hafen erweist sich für unser Boot als zu klein und so weichen wir auf den Hafen von Stubbekøbing aus. Um 15:00 liegen wir fest. Da ist noch viel Zeit und da unsere anderen beiden Schiffe bis zum nächsten Morgen in Vordingborg bleiben werden sind wir von allen Verpflichtungen entbunden.

Stubbekøbing ist die zweitgrößte Stadt auf Falster, hat 2.300 Einwohner und das Danmarks Motorcykelmuseum. Wegen Corona ist es leider geschlossen. Stubbekøbing ist an den Europaradweg Kopenhagen Berlin angeschlossen und das erklärt auch das verwunderliche Grafitti im Hafen.

Das Schiff der Dänischen Marine ist hier im Hafen stationiert und patrolliert täglich durch den Grønesund und Storstrømmen. Wir werden ihm Morgen wieder begegnen.

 

Die Mannschaft macht sich auf in das Städtchen. 

 

 

 

Dass unsere Frau Merkel hier in Stubbekøbing einen Zweitwohnsitz hat ist mir bis jetzt unbekannt gewesen.

 

Nur dass ihr Mann hier unter Ove Poulse auftritt ist schon merkwürdig.

 

 

 

Ach so, noch Etwas: Falk als Schaufensterdekoration in Stubbekøbing ist auch ein bisschen ungewöhnlich.

 

Woher hatte der Dekorateur bloß das Foto von Falk?

Der heimische Bäcker hat so ein schönes Angebot, dass einem gar nichts anderes übrigbleibt als was zum Kaffeetrinken zu kaufen. Hinterher habe ich mich gefragt warum ich nur vier Stückchen gekauft und in je fünf Teile geteilt hatte. Wir sind ja wohl 6 Leute an Bord. Gott sei Dank hat Woki noch etwas anderes mitgenommen und so reicht es für alle. Es gibt im übrigen Tee, wie man auf dem Bild sieht.

 

Der Rest ist schnell erzählt. Ich mache das Essen. Der Rest vertreibt sich die Zeit. Dann Aufräumen und irgendwas mit Fußball. ;-)

Fazit Tag 5

 

 

Von Karrebæksminde nach Stubbekøbing

 

 

zurückgelegte Strecke knapp 27 NM

Reisezeit ca. 6 h

Durchschnittsgeschwindigkeit 5.3 kn

Donnerstag, 24. Juni

 

Karsten erstattet am Morgen Bericht. Buri haben sie gestern Abend nach erfolgreicher Behandlung wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Er hat jetzt eine leichte Tonsur und eine gut geklammerte Wunde.

 

Wir verabreden uns für nach dem Frühstück. Wir werden auslaufen wenn unsere zwei anderen Schiffe zu sehen sind. 

Wir haben digital nur den bootseignen Kartenplotter und so wird vieles wieder in der guten alten Seekarte getätigt.

 

Irgendjemand hat den Weg durch den Grönsund schon  mal digital aufgezeichnet. Wie man sieht, mit Kreuzen vor dem erwarteten schwachen achterlichen Winden.

 

Die Wirklichkeit sieht dann anders aus.

Das Wetter ist freundlich, aber der Wind fehlt. Als unsere zwei Schwesterschiffe auftauchen, laufen wir so gegen halb zehn aus. Ziel ist Gedser. Wieder kein großes Etmal, es werden ca. 30 NM sein. Bei den (nicht) herrschenden Winden aber eine Herausforderung.

So gegen halb elf kommt etwas Wind auf und wir setzen Segel. Der Wind hält leider nur eine gute Stunde an, dann wird er immer schwächer. Wir dümpeln bei zwei Bft. mit noch einem vierten Boot vor uns hin. Irgendwann reicht es, wir bergen die Segel und dann ist Busfahren bis Gedser angesagt.

 

Auf der Backbordseite taucht auf der Insel Møn die weithin sichtbare Kirche von Farnefjord auf.

 

Die Malerei in der Kirche stammt aus dem Mittelalter und wurde in den dreißiger Jahren bei Restaurierungsarbeiten wieder entdeckt. Sehenswert.

Der Rest ist schnell erzählt. Das Boot läuft unter Autopilot. Die Küste ist eintönig. Dann fahren wir am Fährhafen von Gedser vorbei und machen uns fertig zum Anlegen- 

 

Ganz selbstverständlich übernimmt jeder seine Aufgaben.

 

Mario bringt die Fender an der Steuerbootseite aus.

 

Und der Webeleinenstek von ihm ist aller erste Sahne. Hat er ja auch fleißig geübt.

 

Wie gesagt, er hat in dieser Woche einiges in der christlichen Seefahrt dazu gelernt. Ich freue mich schon auf das nächste Mal, wenn Mario wieder dabei sein sollte. Außer der Seemannschaft habe ich dann auch noch eine eifrige Hilfe in der Küche.

 

Während ich das Abendessen richte gehen die Mannschaften die Gegend erkunden. Ich kenne die Umgebung von Gedser, sie ist langweilig. 

Fazit Tag 6

 

Von Stubbekøbing nach Gedser

 

zurückgelegte Strecke knapp 32 NM

Reisezeit ca. 7 h

Durchschnittsgeschwindigkeit 4.5 kn

Freitag, 25. Juni

Heute müssen wir nach Warnemünde zurück. Morgen früh um neun kommt der Taucher und da sollte man schon am Vorabend am Steg liegen. 
Für heute ist leichter Wind aus West angesagt und so beschließt die Flotte die deutsche Küste in Richtung Kühlungsborn anzusteuern und dann parallel zur Küste mit achterlichem Wind nach Warnemünde zu segeln.
So gegen zehn Uhr laufen wir aus. Es gibt ein bisschen Wind. Er reicht zum geruhsamen Segeln. 

Man hat ja sonst nichts zu tun. Der Eiserne Gustav hält das Boot auf Kurs und so sinnt man auf Beschäftigung. Peter hat etwas entdeckt was ihn offensichtlich schon die ganze Zeit ärgert. So wird denn die Schramme in der Plicht wegpoliert. Sieht hinterher (fast) wie neu aus. Wir haben die Schramme nicht verursacht, aber es ärgert einen, wenn man sich so etwas immer anschauen muss.

 

Der Wind reicht nicht bis Kühlungsborn. Er schläft ein. So drehen in Höhe Heiligendamm bei und laufen mit dem letzten bisschen Wind Kurs Warnemünde. So gegen 17 Uhr erreichen wir den Jachthafen. Die Tankstelle hat noch auf und so wird noch schnell das Boot aufgetankt. Dann wird am Steg das Schiff aufgeklart. Lust auf Warnemünde hat keiner. Dafür werden die Sachen gepackt und alles was nicht mehr gebraucht wird kommt in die Autos. Das spart morgen früh Zeit.

 

In meiner Kajüte war ein Koje frei und die diente als Lager für die Essensvorräte. Anfangs war die Koje voll. Wie man sieht, ich habe dieses Jahr nicht allzu viel übrig. Das Meiste in meinen zwei Kisten sind die mitgebrachten Küchenutensilien. Aber Bier wurde nicht genug getrunken und die Snaks dazu waren wohl auch nicht so richtig gefragt.

Das Abendessen macht nicht viel Mühe. Es müssen nur Kartoffeln gekocht werden. Das Essen für den letzten Tag ist immer ein wenig problematisch. Es sollte etwas sein das sich lange hält. Traditionell plane ich mit Matjes auf Hausfrauenart und hoffe es gibt unterwegs in irgendeinem Hafen frischen Fisch. Dieses Jahr habe ich in keinem Hafen einen aktiven Fischer gesehen, also kein frischer Fisch und damit kommt am letzten Tag der Matjes auf den Tisch.

Fazit Tag 7

 

 

Von Gedser nach Warnemünde "Hohe Düne"

 

zurückgelegte Strecke knapp 30 NM

Reisezeit ca. 7 h

Durchschnittsgeschwindigkeit ca. 4.4 kn

Sonnabend, 26. Juni

Am frühen Morgen ist an Bord schon richtig was los. Neben dem Frühstück werden Autos beladen, das Boot aufgeräumt und ich bin als einer der Ersten bei der Übergabe. Mit der abgehakten Liste finde ich mich im Büro von Mola ein, gebe das überzählige Fernglas zurück und bekomme auf Treu und Glauben meine Kaution zurück. Es geht so entspannt zu Ende wie es angefangen hatte. Corona macht eben so einiges möglich.

 

Kurz nach neun Uhr verabschiede ich mich, ich habe noch gute 650 km vor mir.

 

Machst gut Leute, bis zum nächsten Jahr.

 

Und so sehen einen die Kumpels.

 

Wer weiß wo rauf ich da warte? Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern warum ich da so untätigt rum stehe. Ich wollte ja nach Hause.

Es war ein geruhsamer Törn, Wir haben gut 200 Seemeilen zurück gelegt. Wenn man von Buris Schlag auf den Hinterkopf absieht, gab es nichts Aufregendes zu berichten. Wir haben trotz aller Widerwärtigkeiten unseren Törn 2021 durch gezogen. Und das sind Alle, die diesen Törn mitgesegelt sind.

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